Wie ein langsameres Leben im Einklang mit der Natur unsere Sichtweise verändern kann

Seit Anfang August lebt Paulina, Mitglied bei Empower This Planet in Südspanien und arbeitet in Sunseed, einer Off-Grid Community, in der alle Bewohner*innen ihr Bestes tun, um so nachhaltig wie möglich zu sein. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen von Menschen, die lernen wollen, wie es ist, in engster Verbindung zur Natur zu leben. Alle haben hier ein gemeinsames Ziel: Umweltschutz sichtbar zu machen und zeigen, dass es auch anders geht!

Als Teil von Empower This Planet sehe ich jeden Tag, wie viele Menschen es gibt, die sich bereits für unsere Natur einsetzen. Doch gemeinsam mit so vielen Menschen zusammen zu leben, die dieses Ziel in jeder ihrer Entscheidungen mitbedenken, hat mir nochmal neue Kraft gegeben!

“Warum seid ihr hier, warum verzichtet ihr auf moderne Möglichkeiten, wenn ihr stattdessen komfortabel in einer Stadtwohnung leben könntet?”

Eine Frage, die mir regelmäßig gestellt wird, wenn ich erzähle, wo ich gerade lebe. Wir müssen jede Woche Wasser aus dem Brunnen holen, ernten unser Gemüse selbst und haben nur Warmwasser, wenn die Sonne auf die Solarpaneele scheint. Eier gibt es nur, wenn die Hühner Lust drauf haben und auch der Kühlschrank funktioniert mit Solarstrom, wird also abgeschaltet, wenn es wolkig ist.

Was nach unnötigem Verzicht klingt, hat mich tatsächlich viel mehr zu mir selbst gebracht, als ich es ursprünglich dachte. Doch hier habe ich erst gelernt, wie viel wir eigentlich haben, in wie viel Überfluss wir in Österreich leben. Mir wurde nochmal bewusster, wie wichtig die Natur und ihre Gesundheit für unser Wohlbefinden ist - und wie wichtig es daher ist, sie zu beschützen.

 

Die Community organisiert immer wieder Events, wie dieses akustische Konzert, in dem Besucher*innen den Lebensstil von Sunseed kennenlernen können.

 

Wie funktioniert das alltägliche Leben hier?

Sunseed ist eine soziokratische NGO, das heißt, dass alle Entscheidungen gemeinsam in der Gruppe getroffen werden. Das Projekt finanziert sich durch Spenden, Gäste und EU-Förderungen, da hier jedes Jahr junge Menschen als Erasmus-Volunteers mehrere Monate verbringen und - so wie ich - eine andere Lebensart kennenlernen. Praktikant*innen von verschiedenen Universitäten forschen hier besonders zu Naturrestaurationsmaßnahmen und Besucher*innen können jederzeit vorbeikommen und eine Tour durch das Projekt buchen.

Das Projekt ist in das kleine Dorf Los Molinos del Río Aguas eingebettet, dessen Wasserversorgung vom Fluss Río Aguas abhängig ist. Auch hier ist spürbar, wie sehr die Region Almería durch die Landwirtschaft ausgelaugt wird, denn der Fluss verliert durch illegale Grundwassernutzung immer mehr an Wasser. Das heißt, dass wir mit Wasser hier sparsam sein müssen und als Dorfgemeinschaft auf die Ressource achten müssen. Der Großteil der Lebensmittel kommt von umliegenden Landwirtschaften oder aus dem eigenen Garten - saisonal und biologisch. Der Geschmack der Tomaten, die man selber gepflanzt hat und der Feigen, die im Überfluss an den Ästen hängen ist unvergleichlich.

Die Verantwortlichkeitsbereiche der Bewohner*innen fokussieren sich auf Lebensmittel aus dem Garten, Bildung, nachhaltige Technik und Wiederaufforstung der verwüsteten Region. Jede Person leistet ihren Beitrag zum Funktionieren der Gemeinschaft, ob in deren Spezialgebiet oder bei wöchtentlichen Community-Aufgaben wie Kochen oder Wasser holen.

 

Komm und lass dich inspirieren!

Nein, wir müssen nicht auf unseren gesamten Komfort verzichten, um die Umwelt zu schützen. Aber wir müssen uns bewusst werden, dass es Dinge gibt, die wir in wirklich gar nicht brauchen, oder die mit Rücksicht auf die Natur sogar viel schöner sind. Hier nach Südspanien bin ich zum Beispiel ohne Flugzeug ganz per Zug und Bus gereist, was bereits ein Abenteuer für sich war. (Mehr Hacks zum nachhaltigen Reisen gibt es übrigens in unserer Publikation “Das kleine Buch der großen Taten” 😉)

Genau dafür, ist es schön eine Community um sich herum zu haben, die innerhalb ihrer Möglichkeiten alles tut, um Nachhaltigkeit wirklich zu leben und andere Menschen eben diesen Anstoß und Hoffnung zu geben! Denn wir arbeiten gemeinsam an einer Zukunft, die wir lieben werden!

Die gute Nachricht: Um dir diese Inspiration und den kleinen Vorgeschmack auf die schöne Zukunft zu holen, musst du nicht nach Spanien reisen. Auch in Österreich gibt es zum Beispiel am Zukunftscampus Ronthal bei unseren Empower This Planet Events immer wieder die Möglichkeit, gemeinsam zu gestalten, zu lernen und andere Menschen, die in verschiedenen “Bubbles der Nachhaltigkeit” aktiv sind, kennenzulernen.

Was nehme ich daraus mit?

Ich bleibe nicht ewig hier in Sunseed, denn manche Dinge (warme Duschen!) vermisse ich schon. Doch die Verbindung, die ich hier mit der Natur aufgebaut habe, bleibt mir erhalten. Wie Robin Wall Kimmerer in ihrem wunderbaren Buch “Braiding Sweetgrass” beschreibt, können wir uns nicht von unserer Umwelt abtrennen, denn wir sind genauso Teil von ihr wie sie von uns. Nur, wenn wir uns gegenseitig unterstützen, funktioniert die Balance auf dem Planeten.

So viel Dankbarkeit, Bewusstsein und eine Gemeinschaft an jungen Menschen, die wirklich etwas verändern wollen. Vor allem: Du bist nicht allein! Gemeinsam können wir so viel schaffen, so viel lernen und so viele andere Menschen bewegen.

 

Du willst mehr erfahren?

Sunseed ist immer für Besucher*innen offen - werde aber gerne Teil von Empower This Planet und komm zu unseren Community Treffen in Österreich oder Online, um persönlich über die Zukunft, die wir gemeinsam gestalten, zu sprechen! Indem Du hier teilst, was Du tust, was Dich antreibt und wie Du Dich jeden Tag motivierst, ermutigst Du andere, die noch zögern!

Termine findest du auf unserer Events-Seite und mitmachen kannst du ganz einfach hier!

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